ankes’s glOsse: Gelobt sei Jesus Christus
8. März 2010 vOn anKe
Anke’s Glosse
Gelobt sei Jesus Christus
Auch betrunkenen Autofahrern sollte die gepredigte Vergebung der Christen zuteil werden können. Dass das praktisch möglich ist habe selbst ich Ungläubige schon erfahren dürfen.
Abseits jeglichen öffentlichen Interesses fuhr ich nachts angeheitert zu einer Freundin, die seinerzeit ihr häusliches Domizil in einem Pfarrhaus in Süddeutschland hatte. Bei meiner eingeschränkten Fahrtüchtigkeit war es schon ein Wunder, dass ich die schmale Einfahrt zum Gotteshaus zwar gedankenlos, aber zielsicher im ersten Anlauf durchquerte. Der Dunkelheit trotzend, führte ich auf dem Hof ein gekonntes Wendemanöver durch und parkte mein damals recht großes und schweres KfZ zielsicher, aber unwissend ob des Vorhandenseins eines liebevoll angelegten Steingartens in selbigem. Erst am nächsten Morgen wurden sowohl der Mann Gottes als auch ich der Verwüstung gewahr. Mitten im Steingarten stand das monströse blütenlose Blechgewächs, welches sämtliche Frühblüher restlos platt gewalzt hatte. Kein Wunder hatte ich doch versucht, den Wagen möglichste gerade einzuparken.
Die Pfarrersfrau plärrte verständlicherweise Zeter und Mordio durch die Gegend und äußerte den berechtigten Verdacht, dass der Fahrer, welcher in dem Falle eine Fahrerin war, doch wohl sturzbetrunken oder blind gewesen sein muss. „Die Hammelbeine gehören dem lang gezogen.“
Den Lärm richtig deutend, begab ich mich in demütig gebückter Haltung an den Tatort und murmelte etwas von Wiedergutmachung.
Pfarrer Schäfer schien der fatalen Situation etwas gelassener als seine Frau gegenüber zu stehen und meinte mich an seinen voluminösen Bauch drückend, dass man heilfroh sein könne, dass mir bei diesem Manöver, von dem er sich gar nicht vorstellen mag wie es stattgefunden hat, nichts passiert sei. Schließlich hatte ich den Wagen bis auf fünf Zentimeter an die Kirchenmauer chauffiert, welche mir im Dunkeln und im benebelten Zustand gar nicht aufgefallen war.
Nun war ich keine Person des öffentlichen Lebens und hatte mich in meinem ungetauften, heidnischen Dasein nur temporär mit den Belangen der Kirche beschäftigt, aber mir wurde sozusagen Vergebung zuteil, welche immer wieder von den Kanzeln dieser Welt gepredigt wird. Man könnte also behaupten, dass ich trotz Verfehlung in den Genuss der Nächstenliebe kam.
Ich würde Frau Käßmann ein paar Millionen Pfarrer Schäfers in diesem Lande wünschen. Stattdessen melden sich die Moralapostel zu Wort, die bei Gott nicht doppelmoralistischer predigen könnten.
Gelobt sei so viel Courage unterm heiligen Kreuz. Entspannt konnte sich der Kirchenrat hinter die Personalie Käßmann als EKD Vorsitzende stellen. Wer sie in den letzten Monaten in ihrem Amt wahrgenommen hat und davor als Landesbischöfin, konnte sich an allen zehn schmutzigen Fingern abzählen, dass diese Frau Rückgrat besitzt und für sich als einzige Konsequenz den Rücktritt erklären würde.
Ein Teil der Journalie rät Frau Käßmann nach diesem „Super GAU,“ in Zukunft demütiger aufzutreten. Wie soll man das wohl deuten? Sollte sie sich auf ihre Rolle als Frau zurückbesinnen, sich praktisch aus dem hellen Köpfchen schlagen, dass sie als solche für höhere Kirchenämter berufen sein könnte?
In die Vorbildrolle, in die sie im ersten Wahlgang gewählt wurde, was bis zu diesem Zeitpunkt keinem EKD Vorsitzenden gelungen ist, hätte sie sich eben demütiger einfügen sollen. Kleinere Brötchen backen. Was muss sich diese engagierte Frau auch auf den Afganistan Krieg stürzen, den Papst kritisieren und Guido Westerwelle, mit seiner Affinität zu dumdreister Hartz IV Politik angreifen? Wäre sie doch ihrer Funktion anders nachgekommen. Es gibt so viele verirrte Schafe, die auf längst vergessenen Weiden stehen, hätte sie sich doch diesen abseits des öffentlichen Interesses Stehenden angenommen, statt Versuche zu starten heilige Kühe zu schlachten.
Ich mag mir jedenfalls nicht ausmalen, was gewesen wäre, wenn zu Zeiten von Jesus Christus die Autoindustrie auf dem heutigen Stand gewesen wäre. Zwölf junge Männer, bekanntlich nicht unfehlbar, nach dem alkoholschwangern Abendmahl. Nicht auszumahlen, was da hätte alles passieren können, wenn die schon jeder einen Sportwagen besessen hätten.
danke anke



