anKe’s glOsse: Stadtrundfahrt im Maserati
2. März 2010 vOn anKe
Anke’s Glosse
Stadtrundfahrt im Maserati
Die Maserati-Affäre, wenn das nicht weltmännisch klingt. Damit katapultiert sich Herr Ehlert in einen erlauchten Kreis von Prominenz und das als Geschäftsführer einer gemeinnützigen Gesellschaft. Es gab seinerzeit die Putzkammeraffäre, welche Boris Becker nach Beendigung seiner Karriere wieder zu fragwürdigem Ruhm verholfen hat, die Paul Kuhn Steueraffäre, welche ihm nicht geschadet, sondern jede Menge mitleidige Statements einbrachte und nun gibt es also die Maserati-Affäre, welche Herrn Ehlert zu zugegeben zwielichtiger, aber doch immenser Prominenz über die Stadtgrenzen hinaus verholfen hat.
Angewidert wenden sich nun die einstmaligen Gönner und Förderer von ihm ab. Sozialsenatorin Bluhm spricht von einer nötig gewordenen Umstrukturierung der Treberhilfe, um Missstände künftig zu verhindern. Erst denken, dann lenken, sagte mein Fahrschullehrer immer. Zu solchen Missständen sollte es gar nicht erst kommen.
Wer hat denn das Ehlertsche Nobelkarossengeheimnis publik gemacht, dass er nun so schutzlos der gemeinen Öffentlichkeit ausgeliefert ist? Und worüber echauffieren wir uns eigentlich so sehr? Der Geschäftsführer einer gemeinnützigen Gesellschaft fährt Maserati, na und. Soll der arme Mann vielleicht Sponsorengelder im Mini eintreiben? Soll er sein Engagement für die Ärmsten der Armen im Polo repräsentieren? Ausgeschlossen. Einem Mann der so zum Understatement neigt wird doch kein Cent hinterher geworfen.
Ein Existenzgründer der mit dem Fahrrad vorfährt, wird ungleich weniger hofiert, um nicht zu sagen, gar nicht.
Die Treberhilfe erwirtschaftet als gemeinnütziges Unternehmen keinen Gewinn, sondern Überschüsse, die sich allein im vergangenen Jahr auf 600.000 Euro beliefen. Ich persönlich warte noch auf den Tag, an dem ich mit meiner pflegerischen Tätigkeit bei der Diakonie irgendwann einmal Überschüsse erwirtschaften kann.
Bei solchen Beträgen erstaunt mich einmal mehr die Unwissenheit der öffentlichen Hand, die hier Steuergelder investiert, ohne auch nur zu prüfen, wo diese versanden.
Stell mal einen Wohngeldantrag, wenn dir dein Einkommen zum Leben nicht reicht, oder gelange unverschuldet in die Verlegenheit Hartz IV beantragen zu müssen. Den Menschen wird aber ordentlich aufs Konto geschaut, ob sie nicht vielleicht doch noch irgendwo einen Notgroschen zu liegen haben, der ihnen das Überleben ohne Bezuschussung gewährleisten könnte.
Es ist wahrscheinlich einzig eine Frage, des Umfangs des Bescheißens und der Dreistigkeit, mit der man bereit ist, sich Gelder zu beschaffen. Weiterhin scheint es vorteilhaft zu sein, sich unter dem Deckmäntelchen, Gutes zu tun, die große Kohle zu erschleichen. Man kommt zwar in den Konflikt, dass der Geldgeber irgendwann zu dem Schluss gelangt, dass ein Maserati kein angemessenes Dienstfahrzeug sei und verurteilt es aufs Äußerste, aber ob es zu der Einsicht führt, den Einsatz von Fördermitteln in Millionenhöhe zu hinterfragen, das sei dahin gestellt. Beim nächsten Wohltätigkeitsball wird man wieder gemeinsam Häppchen schlemmen.
Herr Ehlert hatte Pech, er wird eines der vielen Bauernopfer sein, die bei der Verschwendung von Steuergeldern erbracht werden müssen. Dabei sei noch dahingestellt, ob er nicht doch beabsichtigte Gutes zu tun. Ich gehe ja nach wie vor davon aus, dass er den Obdachlosen in seiner grenzenlosen Güte Stadtrundfahrten in seinem eigens dafür angeschafften Maserati zu teil werden lassen wollte. Man stelle sich nur vor, wie er die zerlumpten Hungerleider durch die Stadt chauffiert, um ihnen mal zu demonstrieren, wie groß das Wohnungsangebot für Obdachlose, gerade in Berlin ist. Schließlich verfügt diese ungemein obdachlosenfreundliche Stadt über mehr Brücken als Venedig.
anke
[die heutige glosse von anke kommt leider ein paar tage zu spät, das lag einzig und ausschließlich an den stadtrundfahrten die anke im maserati gemacht hatte und laut aussage von herrn ehlert, wollte anke nicht mehr aussteigen, nun ist der maserati verkauft und anke hatte wieder zeit, ihre glosse zu schreiben. gruß der blOgwaRt]



