anKe’s glOsse: Die schwäbische Bäckerei
21. Februar 2010 vOn anKe
Anke’s Glosse
Die schwäbische Bäckerei
Berlin Friedrichshain, nun endlich ist es soweit, wir haben eine schwäbische Bäckerei. Ob das Aufkommen an Süddeutschen Mitbewohnen eine solche Errungenschaft rechtfertigt, keine Ahnung. Als multinationale Bürgerin kann ich auch nicht behaupten, dass mir in Schwaben aufgefallen wäre, großartig andere Backwaren vorzufinden, als das in der Hauptstadt der Fall ist. Der einzige mir bekannte Unterschied ist und war, dass das Brötchen sich hier Schrippe nennt und in Schwaben Weck.
Vor dem Laden zwei Frauen, die sich erfreut zeigen, dass es doch wohl schee isch, a doherdde verdraude Sache kaafe ze kenne.
Ohne zu wissen, welcher Region Süddeutschlands ich diese beiden Frauen zuordnen sollte, erkannte ich doch die mir, durch einen längeren Aufenthalt in Heilbronn, vertraute Fremdsprache und wurde neugierig.
Ein wenig erinnerte mich die Situation an die Schilderungen von Auswanderern.
Wo sie in den jeweiligen Ländern erfolgreich deutsche Produkte erwerben können. Vielleicht entwickelt sich dieser kleine Eckladen ja ähnlich und die nach Berlin zugezogenen Schwaben werden über kurz oder lang aus allen Stadtteilen herbeieilen, um ihre gewohnten Backwaren käuflich zu erwerben. Der Ossi wird auch wieder in Nostalgie schwelgen können, wenn er die sich vor dem Geschäft bildende Schlange wahrnimmt. Wann gab es so etwas das letzte Mal?
Mich kurz fragend, ob ich denn als Nichtschwabe ein Dokument benötigen würde, welches mich zum Einkauf in der Schwäbischen Bäckerei berechtigt, betrat ich erwartungsvoll das Ladeninnere. Forschend hielt ich Ausschau nach Wecklen, die ich in Berlin bis dahin nicht käuflich erwerben hätte können und nach Backwaren, die eine besonders schwäbische Ausstrahlung hatten. Ich forschte lange und konnte beim besten Willen nicht erkennen, was diese Bäckerei zu einer Schwäbischen Bäckerei machte.
Wohlwollend nahm ich zur Kenntnis, dass kein Aufbackofen zu sehen war, mit dem für gewöhnlich in den meisten Backshops tief gekühlte, nichts sagende weiße Teigbollen in knusprige hole Schrippen verwandelt werden. Auch das machte den Laden zwar nicht zwangsläufig zu einer Schwäbischen Bäckerei, suggerierte aber, dass hier möglicherweise das Backhandwerk in seiner Urform ausgeübt wird.
Mutig verlangte ich nach zwei Laugenwecklen und wurde enttäuscht.
Fragend schauten mich die zwei jungen Verkäuferinnen der schwäbischen Backkunst an und fragten, wie sie mir helfen können. Na wie wohl, stolz auf meine Fremdsprachenkenntnisse wiederholte ich mein Ansinnen, zwei Laugenwecklen erwerben zu wollen. Ich stieß auf Verständnislosigkeit und musste feststellen, dass es sich bei dem hinter den Auslagen herumwuselnden Personal unmöglich um süddeutsche Einwanderer handelt konnte.
Meinen Test abbrechend, verlangte ich zwei Schrippen und ein Stück vom Streuselkuchen. Allerdings nicht ohne nachzufragen, was denn den Laden, in dem sich vorher der Absacker, eine einschlägige Spelunke für nächtliche Spätabstürzer befunden hatte nun als Schwäbische Bäckerei auszeichnete.
Die Antwort war unbefriedigend. Lediglich der Chef des Unternehmens war Schwabe.
Der Urberliner ist vom Aussterben bedroht, bald wird es sächsische Anwaltskanzleien, rheinische Metzgereien und saarländische Milchläden geben.
Lang lebe Konnopke und selbst der kam aus Cottbus.
anke



