
anKe's glOsse
Zwei Jahre und dann Sterbehilfe
Frau Schröder macht Nägel mit Köpfen. Sie fordert eine zweijährige Pflegezeit für pflegende Angehörige, in denen sie nur halbtags arbeiten und 75% ihres vollen Gehalts erhalten sollen. Anschließend gehen sie wieder voll arbeiten und erhalten weiterhin 75% ihres Gehalts bis die Defizite beim Arbeitgeber wieder ausgeglichen sind.
Das ist ja ein super Vorschlag. Ich hatte mich ja bereits als Insider in der häuslichen Pflege geoutet und bin der Meinung, meinen fachmännischen Senf in dieser Hinsicht dazu geben zu müssen.
Frau Schröder würde ich vorschlagen, ein Praktikum in einer Pflegeeinrichtung zu absolvieren. Wenn sie nämlich der Meinung ist, dass Pflege ein Halbtagsjob sein könnte, dann scheint sie mit dem Klammerbeutel gepudert zu sein.
Pflegezeit und Elternzeit, verbal und finanzpolitisch in einem Satz zu nennen, ist schon vermessen. Ob man Mutter bzw. Vater werden möchte, die Entscheidung fällt man meines Wissen bewusst, ob man Kind eines dahinsiechenden Angehörigen wird, ist ein Umstand, der jeglichen Wunsches entbehrt.
Kinder entwickeln sich in der Regel weiter und bedürfen immer weniger der Rundumpflege, können bei Freizeitbedarf gelegentlich bei der Oma, Onkel, Tanten, oder Freunden untergebracht werden. Aber wer bitteschön möchte die kranke sabbernde Mutter oder den pflegebedürftigen senilen Vater mal für ein paar Stunden auf den Spielplatz fahren, oder zum Kindergeburtstag einladen. Die entwickeln sich den Naturgesetzen folgend, nicht zu einem unterhaltsamen kleinen niedlichen Goldlöckchen, welches irgendwann alleine auf die Toilette geht, selbständig isst und sich anziehen kann.
Im Gegenteil hier verläuft die Entwicklung genau in entgegen gesetzter Richtung. Frau Schröder – das Leben von pflegebedürftigen alten Menschen ist nicht wie im Fernsehen, wo alle immer gut riechen, hell im Kopf sind, die Kontrolle über ihre Ausscheidungen haben, immer über einen gesunden Appetit verfügen und Interessen entwickeln, die sie in Tanz- oder Computerkurse drängt. Hier kann sich die liebste Oma, zu einem rücksichtslosen, boshaften Drachen verwandeln, wenn sie sich ihrer Hilflosigkeit bewusst wird.
Das Problem sehe ich ja noch nicht mal in den Belastungen für die Arbeitgeber, die angeblich nicht entstehenden Belastungen für den Steuerzahler, oder die öffentliche Hand. Hier nehme ich an, dass eine Verschiebung von Geldern mit Sicherheit im Rahmen des Möglichen ist. Herr Ehlert hat mit seinem Finanzierungsmodell deutlich gemacht, dass genügend öffentliche Mittel vorhanden sind, welche nur auf einen Abnehmer warten. Unter Umständen sollte man diesen findigen Finazjongleuer zu Rate ziehen.
Aber was machen wir mit dem kranken Opa, wenn er nach zwei Jahren der intensiven Pflege nicht wieder mopsfidel aus dem Bett springt, um nach der Gammelei sein Leben und seine Versorgung wieder selbst in die Hand zu nehmen? Was machen wir mit der völlig erschöpften Vollzeitpflegerin, die auch noch einen Halbtagsjob inne hatte?
Haben wir auch dafür schon eine Lösung parat? Ich denke ja.
Noch während der Pflegezeit wird die halbtags arbeitende, doppelt belastete Vollzeitpflegeperson einen Kurs in aktiver Sterbehilfe besuchen.
Wie bereite ich mein behindertes Kind auf sein herannahendes Ende vor? Wie lege ich dem Uneinsichtigen das Kissen aufs Gesicht, damit die Leidenszeit in der Zweijahresfrist beendet werden kann? Welche Medikamente muss ich im Haus haben, wenn ich vor körperlicher Gewaltanwendung zurückschrecke?
Fragen die in den Kursen von bis dahin hoffentlich kompetent geschulten Mitarbeitern beantwortet werden können. Ach so Frau Schröder, vielleicht sollte bis dahin die aktive Sterbehilfe noch entkriminalisiert werden.
Für die ihnen bevorstehenden Aufgaben Frau Schröder wünsche ich ihnen Mut, Durchsetzungsvermögen und ein wenig mehr Weitsicht, damit nicht wieder mehr Fragen entstehen, als sie Antworten parat haben.
anke